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Vieles könnte sich schon zwischen Ostern und Pfingsten entscheiden
Veröffentlicht am 11. März 2020

Ein unbequemer Aufsatz über das Verzeihen

Aus der Vorgeschichte leuchtet im Kern die Frage: “Geht es mir besser, wenn es jemandem, der mir Übles angetan hat, schlecht geht?” Die Antwort hängt davon ab, ob man sich ehrlich mit dem mächtigen Werkzeug des Verzeihens beschäftigt hat.

Was ist passiert?

Im Jahr 2016 habe ich einen Großauftrag über järhlich mehr als hunderttausend Euro Umsatz an ein Unternehmen verloren, das in diesem Projekt mit einem äußerst günstigen Preis eingestiegen ist. Knapp 3 Jahre später erfahre ich, dass dieses Unternehmen den Auftrag zurückgelegt hat. Wie auch immer sich der kurzfristige Ausstieg aus einem solchen Geschäft ohne finanziellen Schaden bewerkstelligen lässt, es stellt sich zusätzlich die Frage: “Wie wirkt sich das auf das Image aus?”

Wie fühlt sich das jetzt an?

Ich habe mit dem Projekt vorher jahrelang gutes Geld verdient und habe mich inzwischen beruflich neu aufgestellt. Diese Geschichte liegt in meiner Wahrnehmung bereits weit zurück - ich will mich nicht vom Ärger darüber in meiner Energie blockieren lassen. Man könnte sagen: ich habe verziehen.

Wirklich?

Ja. Aber Verzeihen ist nichts Edles, kein ritterlicher Akt. Es ist in erster Linie der Beginn der emotionalen Aufräumarbeiten. Den Dreck muss man loswerden, sonst kommt er als Sand im Getriebe der zukünftigen Aktivitäten zurück.

Wie geht Verzeihen?

Der erste Schritt - Akzeptieren:

  • Ich darf mir denken, so oft es nötig ist: “ein Arsch ist ein Arsch - und ich muss nicht herausfinden, warum das so ist”
  • Ich behalte das für mich, außer bei meinen engsten Vertrauten oder ich werde darauf angesprochen
  • Alles Andere würde in dieser Phase nur zu Energieverlust führen

Der zweite Schritt - Lernen und sicher werden

  • Jetzt erst frage ich mich: “Warum konnte jemand mit mir so etwas machen”
  • Ich werte nicht, ich verurteile dabei nicht
  • Aber ich achte darauf, welche Gefühle es bei mir auslöst
  • Dann analysiere ich so sachlich wie mir möglich ist, was passiert ist und wie es in Zukunft vermieden werden kann

Der dritte und letzte Schritt - das Loslassen

  • Ich lege fest, welches Gefühl diese Geschichte bei mir in Zukunft hervorrufen sollte
  • In welche Stimmung es mich versetzen soll, wenn ich irgendwann wieder damit zu tun habe
  • Dann ist es mir jederzeit möglich, das Gelernte aus Punkt zweitens zu meinem Vorteil anzuwenden

Wie ist es mit Rache?

Kostet Energie. Kann aber als Phantasie angewandt hilfreich sein, sich selbst dabei zu sehen, wie unfrei und blockiert man ist, solange man nicht verziehen hat. Und manches Mal kommt man ja auch über das Negativbeispiel ans Ziel…

Wie ist es mit weiterem Kontakt?

Verzeihen tut man für sich selber. Um die Emotionen wieder frei zu bekommen. Wie man mit Übeltätern in Zukunft umgeht, ist somit nur eine Frage der Taktik - anhand der Erkenntnisse aus dem zweiten Schritt (Lernen und sicher werden). Mit dieser Klarheit bleibt die Macht bei dem, der verzeiht.