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Veröffentlicht am 11. April 2017

Automatisierte Personalauswahl – Science Fiction oder doch nicht?

Die Digitalisierung wird in praktisch allen Bereichen der Wirtschaft neue Situationen und Spielregeln schaffen. Wir haben uns angesehen, was in der Personalauswahl heute bereits möglich ist.

Dazu mussten wir nicht nach Silicon Valley reisen…

In Wien beschäftigt sich die Firma Joinvision seit 10 Jahren mit semantischen Suchtechnologien, um Daten genauer analysieren zu können. Dies erfordert, dass Suchbegriffe nicht nur als Wort abgefragt werden, sondern auch mit Überbegriffen, verwandten Begriffen und Hintergrundwissen zum Thema verknüpft werden.

Das erste Ergebnis war recht erfolgreich

Mithilfe semantischer Such-Software können Unternehmen einen Lebenslauf – egal in welchem Format (pdf, Word, Powerpoint,…) automatisiert in ein Datenbankformat umwandeln, das genau ihrer Bewerberdatenbank entspricht. Die Software „erkennt“ Geburtsdatum, Adressdaten, Kontaktdaten, Datumsangaben, Stellenbezeichnungen, Tätigkeitsbeschreibungen,… in Lebensläufen.

Eine weitere Anwendung war naheliegend

Bald wurden auch Stellenangebote und Stellenbeschreibungen mit semantischer Suche bearbeitet. Das war der nötige Zwischenschritt, um einen automatisierten Abgleich von Stellenausschreibungen mit Bewerbungen und Lebensläufen durchzuführen. Das sogenannte „Matching“ von Bewerbungen liegt im ersten Schritt nicht mehr bei einem Menschen, sondern kann maschinell durchgeführt werden.

“Sowohl-als-auch“ statt „Entweder-oder“

Die Digitalisierung wird keine/n Recruiter/in arbeitslos machen. Aber sie wird Personalabteilungen mehr Zeit für die wichtigen Themen im Personalmanagement geben. Dazu gehört das erste Überfliegen von Lebensläufen und die Datenbankeingabe wohl kaum. Den letzten Kontrollblick und die Entscheidung sollte jedoch immer ein Mensch tätigen.

Die Systeme funktioneren beeindruckend gut…

Sie brauchen aber eine abschließende Kontrolle und Interpretation. Das war auch unser Eindruck – die Firma Joinvision stellte uns ihre Software namens „Matchpoint“ für Testzwecke zur Verfügung. Hier in Kürze die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Test:

  • das System kann problemlos Lebensläufe, Anhänge und Stelleninserate analysieren
  • und die daraus gewonnenen Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit zuordnen und abgleichen
  • Die Ergebnisse werden nach Trefferquote sortiert angezeigt
  • Man erhält auf diesem Weg ein erstes „Ranking“ der Bewerbungen auf eine bestimmte Stelle
  • Man kann dadurch auch gut umfangreiche Bewerberdatenbanken zielgerichtet durchsuchen
  • Zeitersparnis im Vergleich zum üblichen Lesen war bei uns 50 %
  • Echte Fehleinschätzungen der Software: keine
  • Nachbearbeitungsaufwand: deutlich weniger als die vorher eingesparte Zeit
  • Man kann eigene definierte Suchkriterien festlegen und damit das Ergebnis nochmals stark verfeinern (was uns als zeitknappen Testern nur zum Teil gelang)

Fazit

Ein starkes Werkzeug, das sich für Entscheidungsträger/innen rechnet, die laufend zahlreiche Bewerbungen überprüfen müssen. Bevor man die Software „anwirft“, empfiehlt es sich, ein genaues Konzept festzulegen, WELCHE QUALIFIKATIONEN für die jeweilige Stelle benötigt werden und WIE man diese der Software am besten „erklärt“. Der Erfolg beginnt insofern beim einer kompetenten Ausarbeitung der Stellenbeschreibung. Wer hier zu Beginn schon schlampig arbeitet, erhält ansonsten vom – prinzipiell brav arbeitenden – digitalem Helfer ebenso schwammige Ergebnisse.

Was die Software NICHT kann (und auch nicht vorgibt zu können): Rückschlüsse auf die Persönlichkeit von Bewerber/innen treffen. Gut so - Mr. Spock läßt grüßen…