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Vieles könnte sich schon zwischen Ostern und Pfingsten entscheiden
Veröffentlicht am 17. März 2020

Aufbruch - Das Comeback des Dialogs

Ist es möglich, sich ein Bild über den wirklichen Einfluss der derzeitigen Ereignisse auf den Arbeitsmarkt zu machen? Unser Tipp - pflegen Sie Ihre Kundenbeziehungen und dosieren Sie Ihren Medienkonsum klug.

Sie werden in Folge einige faszinierende Erkenntnisse sammeln.

Zum Beispiel: “DIE Wirtschaft” gibt es nicht!

Und somit auf keine Pauschalaussagen, wie “DIE Wirtschaft” auf die derzeitige Situation reagiert.

Ich habe die letzten beiden Tage damit verbracht, mit vielen meiner Kunden Telefonate zu führen, um mich über Entwicklungen bezüglich Personal zu informieren. Die Bandbreite der Rückmeldungen war beachtlich: während das eine 100-Personen-Unternehmen der Industrie sofort den Betrieb bis auf weiteres einstellt und versucht, mit Kurzarbeit alle Leute zu halten, wird in anderen branchengleichen Betrieben ähnlicher Größe unter Vollauslastung weitergefahren.

Genau in der Mitte davon liegt die Prognose eines Einzelhändlers (der glücklicherweise auch einen Versandhandel betreibt), und mit einem Weiterbetrieb mit eventuell nur mehr der Hälfte der bisherigen Belegschaft rechnet.

Gemeinsamer Nenner: Disziplin und soziales Verhalten

Jedes Unternehmen war telefonisch erreichbar - oftmals arbeiten administratives Personal und Entscheidungsträger/innen vom Home-Office aus. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten und nicht zu stören, werden Krisensitzungen um 6 Uhr morgens abgehalten und Mitarbeiter vorsorglich bei Bezug freigestellt, weil sie im familiären Nah-Umfeld einen Risikopatienten haben.

Auch wenn gerade Stellenausschreibungen am Laufen sind und Bewerbungen einlangen: auf persönliche Vorstellungsgespräche wird vorerst weitgehend verzichtet. Teilweise wird mit den Kandidat/innen über Telefon oder Skype Kontakt gehalten. Das erfordert zusätzliche Arbeit auf der einen und Geduld auf der anderen Seite. Ist aber alternativenlos und wird auch eingehalten.

Wo gar nichts mehr geht

Die Freizeitindustrie - bzw. die Summe deren unterschiedlichster Akteure (weil “DIE Freizeitindustrie” gibt es ebenso wenig wie “DIE Wirtschaft”…) ist größtenteils zum Stillstand gezwungen. Aber auch nicht ganz. Ein junges Unternehmen im Catering-Bereich mit Schwerpunkt Mitarbeiterverpflegung hat plötzlich nur mehr ein Drittel der Aufträge. Dafür aber größere Mengen. Da nimmt dann jemand gleich mehr Essen aus dem Büro mit nach Hause für die Angehörigen in Isolation.

Spannend wird die bevorstehende Sommersaison. Zumal deren Planung oft schon jetzt beginnt. Ein Strandbadbetreiber hat letzte Woche noch das gesamte Programm für Kinderschwimmkurse, Eröffnungsevent, PR-Verteiler und strategische Kooperationspartner gestaltet - alles mit frühestem Startzeitpunkt Mitte Mai. Eine Woche später liegt alles auf “hold” - wer kann jetzt noch sagen, ob am 1. Mai die Freibäder wirklich schon aufsperren dürfen?

Endlich Chance auf Dialog

Das zweite Halbjahr 2019 war geprägt von Hochkonjunktur. Zahlreiche Unternehmen auf Personalsuche haben mir berichtet, wie sie unter der Unverbindlichkeit und teilweise auch Überheblichkeit ihrer Bewerber/innen zu leiden hatten.

Das Blatt wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wenden. Aber wie werden Arbeitgeber/innen in naher Zukunft damit umgehen? Und mit Ihren Bewerber/innen?

Wird der Umgang von Revanchegelüsten geprägt sein oder von nachhaltigem Denken? Soviel ist jedenfalls klar: es ist keine Frage der Taktik, sondern der Kultur. Und die verändert sich bereits - davon bin ich nach dem ersten Dialog mit meinen Kunden in dieser neuen Situation überzeugt. Sehr positiv sogar.