Jobaktuell
Menü
Neuer Blogartikel: Virtuelle Karriere-Events
Veröffentlicht am 22. Dezember 2020

8 Fragen zum Karrierecoaching in Salzburg – Interview mit MMag.a Astrid Pirklbauer

Stelleninserate durchsehen. Bewerbungsunterlagen erstellen – Vorlagen im Internet gibt´s genug. Absenden und warten. Reicht das wirklich am Arbeitsmarkt Salzburg 2021 plus? Wir haben ein Gespräch mit einer erfahrenen Beraterin im Karrierecoaching geführt.

1. Bewerbungsunterlagen sind – wie schon aus dem Namen hervorgeht – Werbemittel. Wer wirtschaftlich erfolgreich sein will, sollte sich vor der Werbung mit dem „Produkt“ beschäftigen. Wie kannst Du als Karrierecoach da unterstützen, damit ein Lebenslauf nicht nur ein „Copy-Paste-Kunstwerk“ ist, sondern wirklich die Person/Persönlichkeit mit allem Wissen und Können sichtbar macht?

Zuerst einmal höre ich aufmerksam die Lebensgeschichte meines Gegenübers an. Das klingt banal und oftmals möchte man gleich mit dem vorgefertigten Lebenslauf starten und diesen adaptieren. Bevor eine Änderung jedoch zielführend ist, muss ich zuerst einmal wissen welche Stationen es neu zu verpacken gibt.

Entschleunigung ist ein wichtiges Mittel mit dem ich arbeite. Meine KundInnen sind DIE ExpertInnen wenn es um den eigenen Werdegang geht. Niemand weiß so viel und so gut Bescheid darüber welche Stationen es im eigenen Leben schon gab. Doch weder ich noch ein zukünftiger Personalentscheider kennen alle diese Stationen ebenfalls und können sie schon gar nicht richtig gewichten.

Deshalb ist es wichtig bewusst hinzusehen was in der Vergangenheit gut geklappt hat, welche Erfahrungen gemacht wurden und was vor allem Spaß gemacht hat. Daraus kann sich eine komplett neue Richtung ergeben wenn klar wird, dass Teilbereiche oder Randbereiche einer Tätigkeit mehr Spaß gemacht haben als die eigentliche Kerntätigkeit.

Betriebsblindheit kann einen im Bewerbungsprozess selbst betreffen und grenzt den Suchradius für mögliche offene Stellen ein, getreu dem Motto: „Ich habe eine Lehre als Einzelhandelskauffrau gemacht also suche ich nur nach Jobs die für Einzelhandelskauffrauen ausgeschrieben sind.“

Ich kann dabei helfen über den Tellerrand zu blicken. Ein schönes Beispiel wie mir das gelungen ist war eine Klientin die als Einzelhandelskauffrau tätig war und sich beruflich verändern wollte. Sie war lange Jahre für ein und dasselbe Unternehmen tätig und wollte „einfach nur“ in eine andere Firma wechseln. Im Gespräch stellten wir fest, dass es etwas gab, dass ihr sehr viel mehr Spaß machte, was sich jedoch beruflich bis jetzt noch nicht widerspiegelte. Sie vermietete privat eine Ferienwohnung und führte dabei die Buchhaltung immer selbst. Diese Tätigkeit machte ihr mehr Freude als ihr Job als Einzelhandelskauffrau. Mittlerweile macht sie eine Ausbildung zur Buchhalterin und ist mit dieser Entscheidung sehr glücklich. Dies ist ein schönes Beispiel dafür wie wichtig es für mich ist zuzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen, um versteckte Talente aufzudecken und nutzbar zu machen.

2. Du bist sowohl als Karrierecoach als auch als Mediatorin und Trainerin tätig. Was haben Karrierecoaching und Mediation gemeinsam? Wie lassen sich diese beiden Bereiche kombinieren bzw. gibt es auch Schnittmengen zwischen den beiden Gebieten?

Die Schnittmenge ist mit Sicherheit meine Empathie und mein offenes Ohr für die zentralen Anliegen meiner KundInnen. Und die zentralen Anliegen sind in beiden Bereichen der Wunsch nach einer Veränderung- oftmals ist dieser Wunsch getarnt in einer Aussage der Art „so wie es ist kann es nicht weitergehen.“

Was beide Bereiche noch gemeinsam haben und worauf ich sehr großen Wert lege, ist die Befähigung meines Gegenübers Dinge selbst zu tun. Mir ist es wichtig, dass zumindest Lösungsansätze selbst eingebracht werden. Die Feinheiten können dann sehr gerne gemeinsam ausgearbeitet werden. Dies gilt natürlich im Besonderen für Mediationen aber natürlich auch fürs Karrierecoaching.

Was ich besonders gut kann ist das Potential und die Möglichkeiten im Unmöglichen aufzudecken. So höre ich in der Aussage „so wie es ist kann es nicht weitergehen“ den Wunsch nach einer Veränderung heraus. Dann gilt es zu priorisieren wie dies möglich werden kann.

Wenn Wut im Spiel ist, weil alles so fürchterlich ist finde ich das teilweise sogar sehr produktiv. Das zeigt mir, dass mein Gegenüber noch Kraft hat sich aufzuregen und Emotionen zu zeigen. Diese Wut gilt es dann sinnvoll zu kanalisieren und nicht in blinder Wut ungenutzt verpuffen zu lassen. Schwieriger ist es oftmals, wenn schon keine Energie mehr da ist sich überhaupt aufzuregen, sondern die Situation nur noch irgendwie ausgehalten wird. Dann stellt sich die Frage ob ein Firmenwechsel tatsächlich die „Lösung des Problems“ darstellt oder ob es zusätzlich noch andere Unterstützungsmöglichkeiten braucht z.B. ob es sinnvoll ist über eine Umschulung nachzudenken. Hier gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die wir erarbeiten können.

Am Ende des gemeinsamen Weges mit mir haben meine KundInnen sowohl bei Mediationen als auch im Karrierecoaching mehr Klarheit wo- und wie es weitergehen soll.

3. Eine individuell auf das jeweilige Unternehmen abgestimmte Bewerbung ist eine gute Sache (und wird viel zu wenig praktiziert). Was sind Deine Erfahrungen im Karrierecoaching mit Initiativbewerbungen? Wie kann ich das professionell angehen, damit ich nicht als Karteileiche (oder gleich gelöscht) ende?

Mein Ziel ist es nicht nur ein individuell auf die jeweiligen Unternehmen abgestimmte Bewerbungen zu erstellen, sondern eine Bewerbung anzufertigen die individuell abgestimmt ist auf den Werdegang der einzelnen Personen. Den 08:15 Lebenslauf gibt es bei mir nicht.

Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen. Viele gehen davon aus, dass auf einen Lebenslauf ein Foto gehört auf dem man gut zurecht gemacht erscheint, bestenfalls im Anzug. Dieses Anzugfoto haben wir bei einem Kunden ersetzt. Und zwar durch ein Foto von ihm in seiner typischen Arbeitskleidung, einem Blaumann. Dies kam bei Bewerbungen viel besser an, da bereits durch das Foto vermittelt wurde, dass er als Installateur weiß anzupacken und wie der Alltag aussieht.

Es wäre möglich und vermutlich viel schneller, wenn ich mir den Lebenslauf einer Person schnappe, mich hinsetze und diesen Lebenslauf aufmotze. Schließlich weiß ich ja ziemlich genau wie so ein Lebenslauf auszusehen hat. Das ist nicht mein Ziel und das werden KundInnen von mir nicht bekommen. Ich möchte, dass bewusst wird warum und wie die Dinge in den Lebenslauf oder die Bewerbung gehören.

Dies ist zwar kurzfristig mit mehr Aufwand verbunden. Längerfristig jedoch die bessere und günstigere Lösung für meine KundInnen. Sie bekommen von mir ausführlich erklärt wie eine Bewerbung erfolgreich sein kann und können dieses Wissen in der Zukunft immer wieder anwenden - und das ganz ohne mich.

4. Arbeitest Du damit nicht eigentlich gegen Dein eigenes Business?

Das glaube ich nicht, denn wenn meine KundInnen zufrieden sind werden sie mich mit Sicherheit weiterempfehlen. Und schließlich hört mein Angebot ja nicht beim Lebenslauf erstellen auf, sondern ich coache wenn es um zukünftige Bewerbungsgespräche geht oder helfe wenn Veränderungsprozesse im Privatleben anstehen oder z.B. eine Mediation gewünscht wird. Mir ist es wichtig, dass meine KundInnen zufrieden sind- sowohl mit sich selbst und natürlich mit meinem Angebot und meiner Leistung.

5. Was würdest Du im Karrierecoaching jemandem raten, der:die längere Zeit beschäftigungslos war – wo doch gerade viele Unternehmen auf Personalsuche in Salzburg sehr stark auf diese „Lücken im Lebenslauf“ schauen?

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass richtige „Lücken im Lebenslauf“ nur in den seltensten Fällen existieren. Es ist eher in den Köpfen vieler verankert, dass es in einem Lebenslauf lediglich um eine Aneinanderreihung von Anstellungsverhältnissen geht. Vieles wird schnell als „Lücke“ betitelt, weil es anscheinend nicht in einen „Standard- Lebenslauf“ passt.

Im Gespräch mit meinem Gegenüber konnte ich jedoch immer wieder feststellen welche Schätze gerade in der erdachten „lückenhaften“ Zeit zu finden sind. Oft wurden Ausbildungen absolviert, Reisen unternommen oder auf gesundheitliche Rehabilitation Wert gelegt.

Gerade der letzte Punkt birgt meines Erachtens großes Potential für eine Stellensuche. Wenn jemand offen damit umgeht bewusst auf seine Gesundheit geachtet zu haben, der wird dies hoffentlich auch in Zukunft tun und gesünder im Berufsleben stehen. Das bedeutet für die Zukunft weniger Krankenstände und Fehlzeiten und damit einen Gewinn für das zukünftige Unternehmen.

6. Wenn ich ein Stelleninserat sehe, bei dem ich nicht ganz alle Anforderungen erfülle, aber genau weiß: „DAS wäre genau mein Job!“ – macht da eine Bewerbung überhaupt Sinn?

Eines bereits vorne weg: die sogenannte „Eier legende Wollmilchsau“ gibt es nicht. Natürlich verpacken Unternehmen ihre Idealvorstellung in die Bewerbung wohlwissend, dass selten alle geforderten Aspekte erfüllt werden.

Viele sehen in einer Bewerbung eine Bittstellung und dieses Bild möchte ich gerne gemeinsam mit meinem Gegenüber adaptieren. Es soll durch einen erfolgreichen Bewerbungsprozess eine win- win Situation für alle Beteiligten geschaffen werden. Oft wird das vergessen.

Es geht ja nicht nur darum im Bewerbungsgespräch erfolgreich zu sein, sondern längerfristig eine zufriedenstellende Zusammenarbeit für alle Beteiligten zu ermöglichen. Deshalb hat es keinen Sinn, wenn ICH den Lebenslauf für meine KundInnen erstelle und somit ein komplett falsches Bild einer Person erzeugt wird. Authentisches Auftreten ist enorm wichtig, um nicht nur kurzfristig erfolgreich zu sein.

Außerdem kann in den seltensten Fällen alles in ein Stelleninserat gepackt werden was für eine Anstellung notwendig ist. Es wird ausgewählt und aussortiert. Möglicherweise treffen aber mehrere Punkte aus der eigenen Bewerbung genau ins Schwarze, weil diese Anforderungen zwar nicht schwarz auf weiß im Stelleninserat stehen aber ebenfalls für die Tätigkeit gewünscht werden.

Schön ist es, wenn dann trotz erster Hürden und Bedenken KundInnen und Unternehmen zusammenfinden und beide Seiten zufrieden damit sind, getreu dem Motto: „Das Leben ist kein Wunschkonzert, aber manchmal spielt es dein Lieblingslied.“

7. Bietest Du im Karrierecoaching in Salzburg auch Vorbereitungs-Services auf ein Bewerbungsgespräch an – z.B. das man das Gespräch vorher durchspielt und Du die Firmenrolle übernimmst? Ginge das auch per Video?

Was der Inhalt des Karrierecoachings ist entscheidet mein Gegenüber und wenn zur Vorbereitung ein Gespräch durchgespielt werden soll, mache ich das gerne. Ich bin flexibel und stelle mich auf die Wünsche meiner KundInnen ein.

Allerdings ist ein Gespräch zu üben, eine ziemlich weit fortgeschrittene Übung im gesamten Bewerbungsprozess. Wichtig ist es gut vorbereitet auf zentrale Fragen zu sein und sich Antworten zu überlegen, welche zur eigenen Person passen. Zuerst muss man die Inhalte befüllen bevor man daran geht wie die Umsetzung erfolgen soll.

Das ganze über Video zu machen geht natürlich- mit gewissen Einschränkungen. Die Körpersprache ist im Bewerbungsprozess ein wichtiger Faktor und die kann ich über Video nur bedingt in ihrer ganzen Komplexität wahrnehmen und dementsprechend detailliert rückmelden. Da jedoch Bewerbungsgespräche mittlerweile auch über Video stattfinden bietet sich dieses Medium auch für die Vorbereitung an.

8. Geht es bei Deinen Karrierecoaching Services in Salzburg eher darum, dass jemand aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job findet – oder unterstützt Du auch Personen in ungekündigter Stellung dabei, sich beruflich zu verbessern?

Ich unterstütze Menschen auf Ihrem Weg in einem Veränderungsprozess. Das ist von Person zu Person total unterschiedlich wo diese stehen. Oftmals hat ein Veränderungsprozess mit einem, leider sehr oft viel zu langem, Leidensweg zu tun. Denn leiden ist leichter als lösen. Dieser Spruch trifft oft zu, denn viele neigen dazu Dinge aushalten zu müssen.

Natürlich möchte ich die finanzielle Verantwortung, die viele tragen nicht kleinreden. Familien müssen versorgt werden, Wohnungen bezahlt werden und dazu ist es notwendig, dass ein gewisses Einkommen vorhanden ist. Es nützt aber niemanden etwas, wenn man sich in einem Job komplett verausgabt und ausbrennt. Langfristig leiden darunter sehr viel mehr Menschen und es kostet die Lebensenergie von vielen Beteiligten, wenn überwiegend schlechte Stimmung herrscht.

Deshalb sollte man sich Unterstützung suchen bei Menschen, die genau mit diesen Veränderungsprozessen Erfahrung haben und dafür ausgebildet sind. Nicht alles selbst zu tun, sondern zu delegieren an Personen die ExpertInnen sind zeichnet gute Führungskräfte aus. Und wollen wir nicht alle die beste Führungskraft in unserem eigenen Leben sein?

EIN WEG ENTSTEHT, WENN MAN IHN GEHT. Und dabei kann ich unterstützen!

Website von MMag.a Astrid Pirklbauer